TIROC: Selbstmitgefühl als Praxis

Wir verstehen uns oft als Ort des Wissens, der Begegnung und der Gemeinschaft. Durch unsere Arbeit erkennen wir auch, dass Heilung, Wachstum und Selbsterkenntnis Teil dieses Weges sind. Eines der wirkungsvollsten Werkzeuge, die wir für uns selbst und für andere entwickeln können, ist Mitgefühl. 

Selbstmitgefühl bedeutet nicht, schwierige Emotionen zu vermeiden oder einfach nur „positiv zu denken“. Vielmehr geht es darum, Raum für unser gesamtes Gefühlsspektrum zu schaffen und uns gleichzeitig bewusst auf das zu konzentrieren, was uns am wichtigsten ist. 

Viele von uns tragen eine innere Stimme in sich, geprägt von vergangenen Erfahrungen. Diese ist manchmal kritisch, manchmal schützend und kann im Überlebensinstinkt wurzeln. Traumasensible Betreuung lädt uns ein zu verstehen, dass diese Reaktionen einen Grund haben. Radikale Selbstakzeptanz lädt uns ein, dies anzuerkennen. Hier befinde ich mich gerade., ohne zu urteilen oder es sofort reparieren oder ändern zu müssen. 

Dieses Konzept kann als Akzeptanz verstanden werden – nicht als Resignation, sondern als aktive Bereitschaft, Gedanken und Gefühle so anzunehmen, wie sie sind. Wenn wir Selbstmitgefühl üben, beginnen wir, unseren inneren Dialog mit Neugier statt mit Kritik wahrzunehmen. Wir könnten uns fragen: Was fühle ich? Was brauche ich jetzt? Diese Veränderung ermöglicht es uns, uns selbst mit der gleichen Fürsorge zu begegnen, die wir anderen entgegenbringen würden. Würdest du mit deinem Freund so reden, wie du mit dir selbst redest? 

Gleichzeitig können wir anerkennen, dass wir mehr sind als unsere Gedanken und Gefühle. Selbst in Momenten von Stress, Erschöpfung oder Selbstzweifeln können wir kleine, bedeutungsvolle Schritte unternehmen, die von unseren Werten geleitet werden. Das kann bedeuten, Beziehungen zu pflegen, kreativ zu sein, zu lernen oder uns um andere zu kümmern. Selbstmitgefühl unterstützt diesen Prozess, indem es die Last der Scham verringert und es leichter macht, voranzukommen. 

Im normalen Alltag könnte das beispielsweise so aussehen: 

  • Nehmen Sie sich in einer hektischen Zeit eine Pause, um Ihren Atem wahrzunehmen und sich neu zu orientieren. 
  • Anerkennen, wenn sich etwas überwältigend anfühlt, ohne es zu verharmlosen oder aufzugeben. 
  • Sich selbst die Erlaubnis geben, nicht alle Antworten zu haben. 
  • Sich Unterstützung zu suchen, wenn man sie braucht 

Das sind kleine Handlungen, aber sie sind nicht unbedeutend. Es sind Übungen in Resilienz. 

Radikale Selbstakzeptanz bedeutet nicht, dass wir aufhören zu wachsen oder uns davor scheuen. Vielmehr bedeutet sie, dass wir ein Fundament schaffen können, auf dem Wachstum möglich ist. Wenn wir uns selbst mit Mitgefühl begegnen, entwickeln wir die Fähigkeit, Herausforderungen mit mehr Flexibilität, Geduld und Achtsamkeit zu meistern. 

Als Gemeinschaft können wir uns gegenseitig bei dieser Aufgabe unterstützen. Bibliotheken sind nicht nur Orte der Information; sie sind Orte, an denen Menschen so sein können, wie sie sind. Das schließt uns alle ein. 

Wo immer du heute bist, verdienst du dieselbe Freundlichkeit, die du anderen entgegenbringst. 

Weiterführende Literatur: 

Radikales Mitgefühl

Was meine Knochen wissen

Der Körper ist keine Entschuldigung